PKV als Facharzt und Oberarzt
Als Facharzt oder Oberarzt liegt dein Gehalt klar über der Einkommensgrenze, die Frage „darf ich?" stellt sich also nicht mehr. Es geht um zwei andere: Was kostet der späte Einstieg, und was bekommst du dafür, das der Höchstbeitrag der gesetzlichen Kasse nicht liefert?
Kurz gesagt
- Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze zahlst du in der gesetzlichen Kasse immer den Höchstbeitrag: 2026 sind das 1.226,44 Euro im Monat mit Pflege.
- Der PKV-Beitrag hängt nicht am Gehalt, sondern am Eintrittsalter, am Gesundheitszustand, am Leistungsniveau und am Selbstbehalt.
- Ein später Einstieg ist dauerhaft teurer als derselbe Tarif mit 30. Das ist der Preis der Jahre, in denen keine Alterungsrückstellung aufgebaut wurde.
- Über die Rechnung entscheidet meist nicht das Gehalt, sondern die Familie.
Auf dieser Seite
Warum die Frage jetzt anders steht
In der Weiterbildung dreht sich alles um die Jahresarbeitsentgeltgrenze: 2026 liegt sie bei 77.400 Euro im Jahr, und viele Assistenzärztinnen und Assistenzärzte liegen knapp darunter oder knapp darüber. Als Facharzt oder Oberarzt ist diese Hürde weg. Du darfst wechseln, wann du willst.
Damit verschiebt sich die Entscheidung von einer Rechtsfrage zu einer Rechenfrage. Und die fällt anders aus als mit 30, weil zwei Größen sich verändert haben: dein Alter und, in vielen Fällen, deine Familie.
Der Höchstbeitrag als Vergleichsmaßstab
In der gesetzlichen Kasse steigt dein Beitrag mit dem Gehalt, aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Darüber ist Schluss. 2026 liegt der Höchstbeitrag bei 1.226,44 Euro im Monat einschließlich Pflegeversicherung; die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber.
Das ist der eigentliche Vergleichsmaßstab, und er hat eine unangenehme Eigenschaft: Er steigt weiter, ohne dass sich an deiner Leistung etwas ändert. Wer 120.000 Euro verdient, zahlt denselben Betrag wie jemand mit 250.000 Euro, und bekommt dieselben Leistungen wie jeder andere gesetzlich Versicherte.
In der privaten Krankenversicherung hängt der Beitrag dagegen nicht am Gehalt. Er hängt an vier Größen: Eintrittsalter, Gesundheitszustand bei Vertragsschluss, Leistungsniveau und Selbstbehalt. Konkrete Spannen mit vollständigem Profil stehen auf Was die PKV für Ärzte kostet.
Was der späte Einstieg kostet
Die substitutive Krankenversicherung wird nach Art der Lebensversicherung kalkuliert. Ein Teil deines Beitrags fließt in die Alterungsrückstellung und soll die höheren Kosten im Alter abfedern. Wer mit 42 einsteigt, hat zwölf Jahre weniger Zeit, diese Rückstellung aufzubauen, als jemand, der mit 30 eingestiegen ist. Der Beitrag ist deshalb dauerhaft höher, und zwar nicht nur am Anfang.
Dazu kommt der gesetzliche Zuschlag von 10 Prozent nach § 149 VAG. Er wird vom Kalenderjahr nach dem 21. Geburtstag bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres erhoben und der Alterungsrückstellung direkt zugeführt; ab 60 entfällt er. Bei einem späten Einstieg läuft dieser Aufbau über weniger Jahre.
Was hier bewusst nicht steht: eine Zahl, um wie viel Prozent der Beitrag je Lebensjahr steigt. Mir liegt ein Vergleich für einen 30-jährigen angestellten Arzt vor, und daraus lässt sich der Unterschied für einen 45-Jährigen nicht hochrechnen. Wer dir eine solche Faustformel nennt, schätzt. Die belastbare Zahl bekommst du nur aus einem Vergleich mit deinem tatsächlichen Alter.
Der Umkehrschluss stimmt aber auch nicht: Dass der Einstieg später teurer ist, heißt nicht, dass er sich nicht mehr lohnt. Verglichen wird nicht mit dem Beitrag, den du mit 30 gehabt hättest, sondern mit dem Höchstbeitrag, den du in der gesetzlichen Kasse ab jetzt dauerhaft zahlst.
Die Familie entscheidet die Rechnung
In dieser Karrierephase ist das meist der Punkt, an dem die Entscheidung tatsächlich fällt. In der gesetzlichen Kasse sind Kinder und ein Partner ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert, in der privaten zahlt jede Person einen eigenen Beitrag.
Ein verbreiteter Plan lautet, selbst in die PKV zu gehen und die Kinder über den gesetzlich versicherten Partner laufen zu lassen. Bei Oberarztgehältern geht dieser Plan meist nicht auf: Nach § 10 Abs. 3 SGB V sind Kinder nicht familienversichert, wenn der privat versicherte Elternteil regelmäßig mehr als ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient und zugleich mehr als der gesetzlich versicherte Elternteil.
Wann das gegen die PKV spricht, steht ausführlich auf Wann ich Ärzten von der PKV abrate. Das ist keine rhetorische Einschränkung: Es ist der häufigste Fall, in dem ich abrate.
Was Privatliquidation damit zu tun hat
Für deinen eigenen Versicherungsschutz ändert die Liquidationsberechtigung unmittelbar nichts. Sie verschafft dir aber einen Vorteil, den andere Versicherte nicht haben: Du kennst die Gebührenordnung aus der eigenen Abrechnung.
Nach § 5 GOÄ liegt der Regelfall beim 2,3-fachen Satz, der Höchstsatz beim 3,5-fachen. Darüber hinaus ist nur eine abweichende Vereinbarung nach § 2 GOÄ möglich, schriftlich, vor der Behandlung und mit dem Hinweis, dass die Erstattung „möglicherweise nicht in vollem Umfang gewährleistet ist". Genau an dieser Stelle unterscheiden sich Tarife: ob sie bis zum Höchstsatz erstatten, und ob sie auch darüber hinaus leisten.
Du kannst besser als jeder Vermittler einschätzen, wie oft eine Honorarvereinbarung in deinem Fachgebiet vorkommt. Die vollständige Prüfliste steht auf Ärztetarif: woran du einen echten erkennst.
Was im Ruhestand daraus wird
Ein Punkt, der in dieser Phase gern verschoben wird, obwohl er hier entschieden wird: Die Krankenversicherung der Rentner setzt nach § 5 Abs. 1 Nr. 11 SGB V eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung voraus. Wer über ein Versorgungswerk abgesichert ist, erfüllt diese Voraussetzung in der Regel nicht.
Das heißt: Die gesetzliche Kasse ist im Ruhestand für die meisten Ärztinnen und Ärzte nicht die günstige Lösung, die sie für Angestellte anderer Berufe ist. Was daraus folgt, steht auf Versorgungswerk und Krankenversicherung im Alter.
Mit deinem tatsächlichen Alter rechnen
30 Minuten, Video oder Telefon. Statt einer Faustformel bekommst du eine Rechnung für dein Alter, deine Familiensituation und dein Fachgebiet.
Kostenlose Beratung werktags ab 9 Uhr
Termin oder NachrichtKostenlos für dich. Ich bin Versicherungsmakler und werde über die Courtage des Versicherers vergütet.
Häufige Fragen
Lohnt sich der Wechsel als Oberarzt noch?
Das hängt weniger am Gehalt als an der Familiensituation und am Gesundheitszustand. Der Beitrag wird beim Eintritt nach deinem dann erreichten Alter kalkuliert, ein späterer Einstieg ist also dauerhaft teurer als derselbe Tarif mit 30. Dem steht gegenüber, dass du in der gesetzlichen Kasse oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze ohnehin den Höchstbeitrag zahlst, unabhängig davon, wie viel du verdienst.
Was zahle ich als Oberarzt in der gesetzlichen Kasse?
Oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze immer den Höchstbeitrag. Er liegt 2026 bei 1.226,44 Euro im Monat einschließlich Pflegeversicherung, wovon der Arbeitgeber die Hälfte trägt. Ob du 100.000 oder 200.000 Euro verdienst, ändert daran nichts.
Warum ist ein später Einstieg teurer?
Weil die private Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung kalkuliert wird und das Eintrittsalter in die Berechnung eingeht. Wer später einsteigt, hat weniger Jahre, in denen Alterungsrückstellungen aufgebaut werden. Hinzu kommt der gesetzliche Zuschlag von 10 Prozent nach § 149 VAG, der bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres erhoben wird und damit bei einem späten Einstieg über weniger Jahre läuft.
Ändert sich etwas durch Privatliquidation?
Für deinen eigenen Versicherungsschutz nicht unmittelbar. Relevant ist die Gebührenordnung aber aus einem anderen Grund: Als liquidationsberechtigter Arzt kennst du den Unterschied zwischen dem Regelsatz des 2,3-fachen, dem Höchstsatz des 3,5-fachen und einer abweichenden Vereinbarung nach § 2 GOÄ aus der eigenen Abrechnung. Genau an dieser Stelle unterscheiden sich die Tarife.
Was ist mit meiner Familie?
In der privaten Krankenversicherung zahlt jede Person einen eigenen Beitrag. Die Hoffnung, die Kinder über einen gesetzlich versicherten Partner mitzuversichern, scheitert bei Oberarztgehältern meist an § 10 Abs. 3 SGB V: Kinder sind nicht familienversichert, wenn der privat versicherte Elternteil regelmäßig mehr als ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient und zugleich mehr als der gesetzlich versicherte Elternteil.
Quellen
- § 6 SGB V, Jahresarbeitsentgeltgrenze (2026: 77.400 Euro)
- § 257 SGB V und § 61 SGB XI, Arbeitgeberzuschuss (2026: höchstens 613,22 Euro)
- § 149 VAG, gesetzlicher Zuschlag von 10 Prozent bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres
- § 10 Abs. 3 SGB V, Ausschluss der Familienversicherung
- § 5 GOÄ, Gebührenrahmen und Regelsatz; § 2 GOÄ, abweichende Vereinbarung
- § 5 Abs. 1 Nr. 11 SGB V, Krankenversicherung der Rentner
GKV-Höchstbeitrag und Arbeitgeberzuschuss tragen den Stand 2026 und werden jährlich angepasst. Zum Beitragsunterschied nach Eintrittsalter steht hier bewusst keine Zahl, weil dafür nur ein Vergleich für einen 30-Jährigen vorliegt.

Kai Stockschlaeder
Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO, Partner der Verticus AG. Seit über 20 Jahren vergleiche ich die Tarife der privaten Krankenversicherungen und sage dir auch, wenn die PKV nicht passt — damit du die Unterschiede wirklich verstehst und selbst entscheiden kannst.
Ich bin Vermittler, keine Verbraucherorganisation. Meine Vergütung läuft über die Courtage des Versicherers. Mehr über mich